Leserbrief zum Artikel "Auf den Schrott mit dem BER"
von Peter Neumann
in der Berliner Zeitung vom 25./26.1.2014, Seite 19

Sehr geehrter Herr Neumann,

Ihr vollmundiges Wettangebot, es werde niemand schaffen, den BER woanders hin zu verlagern, sollten Sie vielleicht noch einmal überdenken. Ich darf Sie daran erinnern, daß der Flughafen Tempelhof rund siebzig Jahre nach seiner Eröffnung als an dieser Stelle nicht mehr betreibbar angesehen wurde. Seine Schließung war ein Teil der Begründung für den nach der Wiedervereinigung geplanten Bau eines neuen Flughafens im Süden Berlins. Auch der Betrieb des Flughafens in Tegel wird seit der Wiedervereinigung - also nach einer Betriebszeit von etwa vierzig Jahren - als nicht mehr hinnehmbar beurteilt, was ebenfalls zur Begründung für den Bau des BBI/BER herangezogen wurde. Allerdings stellte sich in diesen beiden Fällen der jeweils gewählte Standort erst nach vielen Betriebsjahren und vor allem erst unter dem Eindruck der politischen Veränderungen als das eigentliche Problem heraus. Das ist bei BER in Schönefeld völlig anders. Schon lange vor der Eröffnung dieses Flughafens ist unbestreitbar, daß der Standort für BER in Schönefeld einer der Geburtsfehler des Projektes ist! Das ursprüngliche politische Wunschziel eines internationalen Großflughafens mit Umsteigeverkehr wird wohl in Schönefeld ein Traumziel bleiben. Eine wie auch immer gedachte Erweiterung dieses Flughafens ließe sich vermutlich weder politisch noch juristisch durchsetzen. Insofern ähnelt das bereits vor der Eröffnung absehbare BER-Schicksal dem von Tempelhof und Tegel: Auch BER wird, sollte dieses Projekt überhaupt jemals in Schönefeld eröffnet werden, wegen fehlender Entwicklungsmöglichkeiten und ständiger Konflikte mit den Betroffenen eines Tages verlagert werden müssen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, daß sich immer mehr sachlich denkende und von politischen (Standort-)Vorurteilen der neunziger Jahre unbelastete Zeitgenossen den von Martin Delius angesprochenen Argumenten anschließen werden, wetten?

Mit freundlichen Grüßen

Gunnar Suhrbier

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