unveröffentlichter Leserbrief an die MAZ zu „20.000 Mängel am BER“ vom 18.2.

Es ist zu befürchten, dass die Mängelliste des Herrn  Amann mit 20.000 Mängeln noch nicht das Ende der Fahnenstange sein wird, denn wenn man den Bauablauf auf dieser Baustelle Revue passieren lässt, ist sicherlich in nächster Zeit noch einiges zu erwarten. Und dabei handelt es sich nicht nur um ein paar krumme Nägel oder einige Putzabfälle von den Wänden.
Die Ursachen für den teilweisen Pfusch am Bau lag m.E. in der manisch anmutenden Angst der Architekten, dass ihr Projekt durch die vielen Extrawünsche der Flughafengesellschaft und den damit verbundenen Änderungen im Bereich Gebäudetechnik, der Ästhetik des architektonischen Gesamtbildes nicht mehr gerecht wird. Das führte z.B. in den Deckenhöhen im Innern der Gebäude dazu, dass der Platz zwischen bauseitiger Decke und abgehängter Decke in seiner Höhe einfach zu gering war. Immerhin liegen dort sämtlich benötigte Medienleitungen, wie Wasser-, Kälte-, Sprinkler-, Elektro – und IT-Leitungen sowie Lüftungskanäle mit diversen Brandschutzklappen. Dazu kommen noch die Kälteverdampfer, die man immer abgeklappt im Fernsehen sieht und die Herr Amann mit stets nach oben gerichteten Blicken „bestaunt“, wenn er kamerawirksam  durch die Gänge schlendert. Dieser Zwischendeckenbereich ist eigentlich fast immer der „casus knacktus“ zwischen Architekten und der Technischen Gebäudeausrüstung, denn dort herrscht sehr oft Platzmangel und somit eine unzumutbare Enge, die es den Firmen manchmal nicht erlaubt, fachgerecht zu montieren. Das kann unter Umständen dann zu technischen Betriebsstörungen führen.  Da sind stets Kompromisse gefragt, aber keiner will da gerne nachgeben. Der Architekt besteht auf seiner Deckenhöhe und der Techniker braucht aber mehr Platz im Zwischendeckenbereich.
Andere Ursachen lagen m.E. in der Planung und der Auftragsvergabe. Bedingt durch den Wegfall des ursprünglich gebundenen Ing.-Büros für die Gebäudetechnik und der damit verbundenen HLS -  Planung, waren die ausführenden Firmen  gezwungen, „fliegend zu planen und zu montieren“, d.h., Pläne wurden erst am Bau erstellt und danach konnte dann montiert werden. Das geschah manchmal sogar im Stundentakt. Dass die ausführenden Firmen bei diesen Zuständen nicht immer  qualitätsgerecht arbeiten konnten, da immer wieder umgebaut bzw. rückgebaut werden musste, liegt auf der Hand. Dazu kam noch die Tatsache, dass wenige Großunternehmen, die sich zu Arbeitsgemeinschaften zusammen schlossen, die diversen kleinen Handwerksbetriebe, die als Subunternehmer arbeiteten, durch Lohndumping knebelten. Das schlug sich auch im Miteinander der beteiligten Parteien nieder und führte teilweise zu Fluktationen der ausführenden Montagebetriebe Zum Schluss wurden sogar händeringend Firmen gesucht, die für die Arbeitsgemeinschaften arbeiten sollten.  
Da ich glaube, dass auch das Regen- bzw. Grundwasser den Verantwortlichen  immer wieder Kopfzerbrechen bereiten wird, ist wohl in den nächsten Jahren noch mit so mancher Überraschung am BER zu rechnen.      

 
                                                                              

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