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Die wesentlichsten Ursachen des BBI-Desasters: Ein Ausblick in die Zukunft!

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Gelegentlich werde ich z.B. von interessierten Lesern meines Blogs gefragt, welches wohl die wesentlichsten Ursachen für das sich anbahnende BBI-Desasters seien. Wenn ich die Vielfalt dieses bereits 20 jährigen und höchst komplexen Vorganges auf 3 Faktoren reduzieren müsste würde ich hierzu folgende Punkte anführen:

1. Die Hysterie und Spekulation nach der Wende

Nach der Wende herrschte ein hochspekulativer und hysterischer Markt, der in Berlin zu einer Art Größenwahnsinn ausuferte. Neben vielen hochspekulativen Projekten war der Bau eines Großflughafens das prominenteste Beispiel für diese Situation, da ja Berlin zu einer mit London vergleichbaren Dienstleistungsmetropole Europas aufsteigen wollte, sollte.Das wurde durch die hyperoptimistischen Prognosen für den BBI widergespiegelt, die durch Experten und Berater der beiden Landesregierungen erstellt wurden.  Diese möchte ich im Folgenden nicht weiter kommentieren, da sie leider für sich sprechen:

Und natürlich gegen die Politik, die dem Beraterwesen natürlich diese unwissenschaftlichen Prognosen in die Feder diktierte! Die  Prognosen von Anfang 90 für das Jahr 2010, die natürlich auch in meinem Buch zu finden sind, fächerten sich in einer Bandbreite von 30 bis 47 Mio. Passagieren pro Jahr auf. Langfristig war sogar von 100 Mio. Passagieren pro Jahr die Rede. Bei der Frachtprognose sieht es nicht anders aus. Sogar so drastisch, dass man schon gar nicht mehr lachen kann! Die Lufthansa prognostizierte Anfang 90 für 2010 tatsächlich 1.100.000 t Fracht pro Jahr während der Vorhabensträger für den BBI die Zahlen für den Planfeststellungsantrag vorsichtshalber herunter korrigierte: Das  Frachtaufkommen soll demnach bis „2023 – überproportional - auf 600.000 Tonnen pro Jahr steigen, während es bis 2010 auf 230.947 Tonnen  pro Jahr wachsen wird“ (siehe  Planfeststellungsantrag in Band A II, Kapitel 5, Seite 34).

Allerdings ist die Fracht in Berlin nicht einmal geschrumpft, sondern auf einem lächerlich niedrigen Niveau seit 1990 regelrecht eingefroren: Sie liegt bei seit 1990 bei ca. 33.000 t/a. Während das bezogen auf die Lufthansaprognose einem Umschlag von 3 % entspricht, werden bei der Planfeststellungsprognose gerade mal mal 15 % erreicht.

Im Planfeststellungsantrag wurden zwar die Prognosen der Realität etwas angepasst, diese sind jedoch immer noch völlig absurd. Auf dieser irrationalen Prognosebasis verselbständigten sich die unrealistischen BBI-Planungen und auf Grundlage dieser Planungen wird nun ein überdimensionierter  BBI gebaut. 

Apropos "überproportionales" Wachstum der Fracht? Das überproportionale Wachstum der Fracht wäre für den BBI deshalb so wichtig gewesen, weil es nur ein überdimensionales Wachstum der Billigflieger gibt, die für den BBI allerdings kaum etwas einfliegen werden. Nur heiße Luft und Presseklamauk wie toll sich alles entwickelt. An dieser Stelle erübrigt sich jeder weitere Kommentar!

2. Die Fehler als Kausalitätskette für das BBI-Desaster: das Dominoprinzip
Der Baufeld-Ost-Kauf präjudizierte die falscheste aller Standortentscheidungen für den BBI. Auf dieser brüchigen Basis und infolge des komplizierten Standortes Schönefeld schlichen sich immer mehr Fehler in die Planung ein. Der Kauf der Baufeld-Ost-Flächen war sozusagen der Kondensationskern für das heraufziehende Unwetter, welches sich über dem BBI immer mehr zusammenzog. Vollendet wurde das systematische Versagen mit der unfachlichen Entscheidung für den BBI am Standort Schönefeld durch den Konsensbeschluss im Jahr 1996, der ja auch die wertsteigernde Entwicklung der Baufeld-Ost-Flächen einbezog. 

Dadurch kam es zu permanenten Zeitverlusten, die das Projekt immer mehr in Frage stellten. Durch eine dauerhafte Pleiten-Pech- und Pannenserie geriet das Projekt in eine irreversible Schieflage. Der Planfeststellungsantrag wurde dann kurioserweise in dem Jahr eingereicht als der BBI ursprünglich in Korrespondenz mit der gescheiterten Olympiabewerbung eröffnen sollte: Im Jahr 2000!

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war das Zeitfenster für den Baubeginn eines rentablen Drehkreuzflughafens durch die Privatwirtschaft bereits zu. Während die erste Privatisierung der BBF noch an Verfahrensfehlern misslang, scheiterte die zweite an der nicht mehr realisierbaren wirtschaftlich rentablen Betreibung des BBI.

Obwohl den spekulativen Blasen längst eine Ernüchterung gewichen war und Berlin bereits auf dem Weg in die Schulden- und Armutsmetropole zielstrebig unterwegs war, wurde der BBI auf Basis der viel zu optimistischen Prognosen beantragt, weshalb sich dieses spekulative Relikt heute beim Bau des BBI vergegenständlicht hat (siehe Punkt 1). Dadurch entstand eine  kontradiktorische Konstellation, wonach entweder der Planfeststellungsantrag für den BBI falsch war oder der BBI entsprechend des Planfeststellungsantrages als solches nicht realisierbar ist. Allerdings ist das der hiesigen Planungsdiktatur völlig egal: Es wird mit allen brachialen Mitteln durchgesetzt, den Beton auf den märkischen Sand zu gießen, obwohl die beiden Länder zu arm sind, ihre Straßen instand zu halten und die Schlaglöcher zu beseitigen, die nicht nur durch diesen Winter verursacht wurden.

Bezüglich des Baufeldost-Flächen-Fehlkaufes ist es nur sehr schwer bzw. gar nicht zu glauben, dass man einfach aus versehen die ca. 116 ha kaufte. Aber hierzu ausführlich in meinem Buch, wonach der Skandal nicht der Fehlkauf, sondern wohl das Kalkül des Fehlkaufes ist.

Das psychologische Prinzip zur Durchsetzung des BBI ist ein mit sehr viel Steuergeld erkaufter Verdrängungsprozess: Man macht eben immer weiter, weil man die Realität einfach nicht mehr wahrnimmt.

3. Kalkulierte Tricksereien, um die Fehler der Pleiten-Pech- und Pannenzeit zu tilgen
Das 3. psychologische Prinzip passt sich daher stufenlos in das Dilemma ein: Trotzdem die Verdrängung der Realität ein schon höchst unerträgliches Ausmaß annahm bemerkte man bald, dass die Sache mit den BBI-Pannen am falschen Standort aus dem Ruder laufen würde, wenn man nicht „angemessen“ gegensteuerte. Alle maßgeblichen Politiker waren in dem Projekt ge- bzw. befangen und konnten nicht mehr aus dem Projekt aussteigen, wenn sie nicht ihren politischen Kopf verlieren wollten. 

Ein systematischer Aktionismus von Propaganda und Tricksereien zur Rettung der „Jobmaschine“ setzte ein. Das Beispiel rückwirkende Heilung des Landesentwicklungsplans Flughafen Schönefeld und die aktuellen Tricksereien beim ergänzenden Planfeststellungsbeschluss bestätigen das. Ebenso die kürzliche Waldrodung zur Schienenostanbindung, die schon einer militärischen Operation glich. Das Kalkül der Tricksereien, um die selbst verursachten Fehler zu tilgen, wurde ein dominierender Prozess. Die horrenden Kosten spielen dabei jedenfalls keine Rolle.

Da sich diese chaotische Flughafenpolitik über Jahre herauskristallisierte muss schon von einem kollektiven Größenwahnsinn der hiesigen Provinzpatriarchen  gesprochen werden, der sich überparteilich und überfraktionell über mehrere Legislaturperioden wie Mehltau über die armen Länder Berlin und Brandenburg legt.

Da ich 7 Jahre in der Landesentwicklungsplanung Brandenburgs gearbeitet habe und fast 5 Jahre im Abgeordnetenhaus als Politikberater tätig war wurde ich zum Augenzeugen und Opfer dieser Realitätsverdrängung. Schweigen breitete sich in der bürokratischen Hierarchie aus, wenn die Maulkörbe erfolgreich verordnet wurden. Wider besseren Wissens formte sich ein psychologischer Komplex des Mitmachens heraus. Die kritischen Stimmen in den Chefetagen erstarben. Die aufsteigende mediale Schweigespirale vernebelte zunehmende die beiden Länder. Als ehemaliger DDR-Bürger kennt man diesen Prozess und weiß ihn leider einzuordnen. Vieles kommt einem bekannt vor und manchmal denkt man, wieder in der DDR angekommen zu sein. Nicht desto trotz ändert das nichts daran, dass der BBI in eine Sackgasse gebaut wird und die Politik letztendlich mit diesem unwirtschaftlichen und bürgerfeindlichen Irrsinn sehr teuer scheitern wird.

www.frank-welskop.de

Aktualisiert ( Mittwoch, den 31. März 2010 um 09:28 Uhr )  

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